| Aus der anhaltischen Eisenbahngeschichte | ||||
| Die Nebenbahn Köthen – Aken | ||||
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Als letzte der regelspurigen Bahnen wurde die Nebenbahn Köthen – Aken gebaut. Die Stadt Aken liegt etwa 12 km von Köthen entfernt, hatte zwar Anschluß an die Elbschifffahrt, war aber von keiner Eisenbahn berührt worden und lag am Rande des Königreichs Preußen (Prov. Sachsen). Im Jahr 1865 war ein Eisenbahnkomitee unter Vorsitz des Bürgermeisters gewählt worden, um Gelegenhei-ten zum Bahnbau auszuloten. |
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![]() Karte des Streckenverlaufs nach 1916 der Köthen-Akener Nebenbahn mit den Anschlußgleisen zu den Osternienburger Kohlegruben, zum Akener Magnesitwerk und Hafenbahn. |
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Es boten sich verschiedene Anschlußmöglichkeiten für eine Nebenbahn an, so an die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn (MLE) in Maxdorf (Preußen), wo aber ein neuer Bahnhof errichtet werden mußte. Verkehrsfachleute rieten, den Anschluß an den Eisenbahnknotenpunkt Cöthen* zu legen. Aber man scheute die Auslandsberührung, man lebte doch im „Deutschen Bund“. Eine weitere Mög-lichkeit bestand in Elsnigk (Anhalt), wo man an die Berlin-Anhalter Eisenbahn (BAE) anschließen konnte. |
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In Köthen stießen diese Projekte auf wenig Gegenliebe. Nach Akener Meinung schrieb die Köthe-ner Presse „gehässige Artikel“ über die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Akener Eisenbahnbe-fürworter. Das Eisenbahnbau-Komitee hatte leider keinen Erfolg. Die Bahn hätte als eigenständiges Unternehmen gegründet, gebaut und betrieben werden müssen. Für die Städte Aken und Köthen, sowie einige Interessenten wären die Kosten einfach zu groß. |
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![]() Empfangsgebäude des Bahnhofs Trebbichau auf einer Postkarte vor 1914 . . . |
![]() . . . und auf einem Foto vom Oktober 1994. |
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Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen
ließen aber bereits erkennen, daß eine Hafenbahn einen star-ken
wirtschaftlichen Faktor darstellte. Der mit dem Bau beauftragte
Unternehmer Scharpe, Düssel-dorf, der auch die Vorbereitungen
übernehmen sollte, zog seine Finanzierung wegen schlechter Marktlage
zurück. Nun war man ständig auf der Suche nach Geldgebern.
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Das
„Berliner Loch“ mit Zug aus Aken vor dem Neubau 1911. |
![]() Ein Zug aus Aken durchfährt das „Berliner Loch“. Im Foto vom März 1994 sind die zwischen 1911-1916 gebauten 3 Durchlässe zu erkennen. |
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Das
Gelände war für den Bahnbau günstig, es war flach und zum Teil sandig,
was für Käufe und Entschädigungen günstige Preise ergab. Die
Königliche Eisenbahn-Direktion (KED) Magdeburg, die auf große
Sparsamkeit achtete, ließ die Strecke von Aken nicht direkt nach Köthen
laufen, sondern führte sie bei der Wärterbude 193 (nahe Elsdorf) an die
Dessau-Köthener Bahn (etwa 2,5 km ge-meinsames Gleis), das ergab für den
Neubau 9,8 km und 2 km Hafenbahn. Ab Köthen waren das 12,5
Tarifkilometer, wovon 7,6 km in Preußen und 4,3 km in Anhalt lagen.
Durch die Mitbenutzung der Dessauer Strecke mußten auch die Akener Züge
das „Berliner Loch“ passieren. Erst mit den Umbauten von 1911
erhielt das „Berliner Loch“ drei Durchlässe. |
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![]() Der Berlin-Halberstädter Bahnhof an der Georgstraße vor 1916 (Ostseite). |
![]() Der 1916 stillgelegte Bahnhof auf einem Foto vom 20. 10. 1992. Reste der Gleisanlagen wurden in den 1990er Jahren entfernt (hinter der Hecke jetzt Parkplätze). |
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In Köthen endete die Akener Strecke im Berlin-Halberstädter Bahnhof.
Dazu mußte ein neuer Haus-bahnsteig angelegt und der Fußgänger-Tunnel am
Bahnhof verlängert werden. Die Oberbau-Arbei-ten führte die Firma Rodenbeck, Ülzen aus. |
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Die
Zeitungen in Köthen schrieben: |
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1908 bemühte sich der Magistrat von Aken um eine
Weiterführung der Strecke von Köthen über Aken-Elbebrücke und Zerbst
nach Loburg. Damit hätte man eine durchgehende Bahnstrecke und
einen Elbeübergang gehabt gehabt. Die preußischen Dienststellen
zeigten aber eine ablehnende Hal-tung, denn sie waren mit der Planung
der Strecke Wiesenburg – Roßlau genügend beschäftigt. Der bald
darauf ausbrechende I. Weltkrieg unterband alle Bauvorhaben.
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![]() Der „Akener“ an seinem Hausbahnsteig (Bstg. 1) des Bahnhofs Köthen. Lokbespannter Zug mit einem Wagen – die kleinstmögliche Variante. Foto vom Mai 1995 |
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Nach der Wende 1989 änderte sich die
Situation, der Reiseverkehr ging stark zurück und es wurde über die
Schließung der Akener Strecke ernsthaft diskutiert. Im Winter
1993/94 wurde trotzdem eine Erneuerung des Oberbaus vorgenommen, denn
der Hafenumschlagplatz in Aken erforderte einen Bahnanschluß. |
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1994 gründete sich der Verein der
Eisenbahnfreunde Aken e.V., der Bahnhofsfeste und
Sonderfahr-ten organisiert und ein Eisenbahn-Museum zur Belebung der
Strecke einrichten möchte. |
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| Gerhard Zieglgänsberger | Köthen, im Sommer 2006 | |||
| * Die Schreibweise für „Köthen“ war bis 1927 „Cöthen“. | ||||
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Nachtrag:
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Nachtrag zum Nachtrag: Artikel aus der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ), Köthener Zeitung, vom 8. Januar 2008, -Lokales-, S. 9 |
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Wächst hier ein zartes Pflänzchen Hoffnung auf
realistischen Boden oder handelt es sich hier lediglich um eine
Eintagsfliege ? Die Zukunft wird es zeigen – wir bleiben dran ! Zur Homepage des Vereins „Eisenbahnfreunde Aken e. V.“ |
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Anmerkung zum MZ-Artikel „Sonderzüge auf voller Fahrt zum Rosenmontagsumzug“
vom 8. Januar 2008: Die „kleinen stabilen Pappkarten mit dem Charme aus DDR-Zeiten“ sind eine Erfindung des englischen Sta-tionsvorstehers Thomas Edmondson (1792 – 1851) und wurden schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei britischen Eisenbahngesellschaften eingesetzt. Nach 1850 trat die kleine Pappkarte ihren Siegeszug um die Welt an. Um 1900 wurden dann die Fahrkarten am Schalter gedruckt, was ihre Verbreitung bis in den letz-ten Winkel der Eisenbahn-Welt ermöglichte. In ganz Deutschland kamen diese als „Edmondsonsche Fahrkar-ten“ bekannte Pappbilletts bis etwa 1990 zum Einsatz. Heute werden sie noch von einigen Museumsbahnen verwendet. Wenn man den kleinen Pappkarten den Charme aus DDR-Zeiten andichtet, springt man viel zu kurz, sie haben nämlich den Charme der großen Eisenbahn-Zeit. Die Zeit, in der man mit dem guten alten Dampfross durch die ganze Welt oder auch nur nach „Groß Kleinknistermecklingen“, Radegast oder Gerlebogk fahren konnte. Hans-Jürgen Janik nach Hinweisen von Gerhard Zieglgänsberger |
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Näheres zur Edmondsonschen Fahrkarte:
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Edmondsonsche Fahrkartensammlung FH
Münster Thomas Edmondson und seine Fahrkarten |
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Bilder aus der Sammlung Zieglgänsberger, Bilder des Bf. Aken: Reiner Janik Kartenskizze und Bildtexte: Hans-Jürgen Janik |
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