| Köthener
Veranstaltungsbericht Dezember 2003 |
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| Besonderheiten
der anhaltischen Küche |
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| Vortrag von Dr.
Gisela Wesselly |
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Am 10. 12. 2003, 18.00 Uhr
in der Gaststätte
„Altdeutscher Hof“
Gemeinsame Veranstaltung des VAL mit der Kreisvolkshochschule Köthen |
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Es ist zu einer schönen Tradition geworden, daß
der Verein für Anhaltische Landeskunde, sowie der Arbeitskreis Stadtführer
(bei der Kreisvolkshochschule), gemeinsam interessante Themen vor- stellen.
Die Veranstaltung am 10. 12. 2003 war den Besonderheiten
der alten anhaltischen Küche gewid- met. Der Zeitpunkt, die
Vorweihnachtszeit, sowie der Veranstaltungsort, der „Altdeutsche Hof“,
eine traditionsreiche Gaststätte in einem der ältesten Gebäude Köthens
(1560 erbaut), waren sehr gut gewählt. |
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Frau Dr. Wesselly hat in anschaulicher Weise
auf ältere, aber auch auf neuere anhaltische Koch-bücher hingewiesen.
Die Referentin sagte, wie die Namen
der Gerichte auf Fremde oder Zugereiste zunächst einmal irre-führend,
wenn nicht sogar schockierend, wirken müssen.
Zitate:
„Wer isst schon freiwillig Reisbrei mit Zucker und Zimt gemeinsam mit
einer Bratwurst?“,
„Wer wagt sich an eine bedrohlich klingende Mischung mit dem Namen
'Schwarzsauer-klump'
heran, die schon vom Namen her eine schwere Verdaulichkeit und ein Übermaß
an Kalorien vermuten lässt?“
Wer traut sich in Zeiten kalorienbewusster Le-bensweise überhaupt noch an solche Gerichte he-ran, wie: „Erbsentopp
mit Schweinekopp“, „Eingelegtes Hammelfleisch mit säuerlicher Zwibbeltitsche“ oder an „Bernburger Schlach-teschüssel und Sauerkohl-Klump“.
Fremdländisch klingende Worte, wie Klump, Titsche, Stippe oder Märte
kann man weder romanischen oder slawischen Ursprung zuordnen. |

Der altehrwürdige
„Altdeutsche Hof" nach dem Jungbrunnen der Restaurierung im
strahlend-schönen Gewand.

In der Mitte Dr. Gisela Wesselly während des Vortrages, rechts Frau Ruth
Brandt - die Institution in Sachen "Köthnisch" |

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Auch Gerichte, die glauben machen, sie wurden von
bestimmten Berufsgruppen bevorzugt geges-sen (Köthener Schusterpfanne,
Droschken-kutscher-Suppe, Beamten-Stippe,) und Spei-sen, die nach anhaltischen Orten benannt wurden (Bernburger Filsen, Plötzkauer
Pfannkuchen, Zerbster Brägenwurst) sind in der anhaltischen Küche
zu finden.
Die Referentin brachte uns auf
anschauliche Weise den Wochenablauf von fleischlosen Tagen und Tagen, an
denen es Fleischgerichte gab, sowie Festtagsessen an Feiertagen zu Gehör.
So war auch der Braunkohl zum Weihnachtsbra-ten und der Heringssalat zu
Silvester ein soge-nannter alter Brauch.
Interessant war an diesem Abend, daß geklärt werden konnte,
warum man aus dem Brustkno-chen der Martinsgans Schlussfolgerungen über
den zu erwartenden Winter ziehen konnte.
Auch wurde über die Speisen in Not- und Kriegs-zeiten aufgeklärt. |

Der große Raum im Obergeschoß war durch die Zuhörer bis auf den letzten
Platz gefüllt

Beamten-Stippe - ein
Standardessen in sehr vielen Haushalten Anhalts |


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Bestimmte Anlässe hatten auch ihre Speisefolgen, wie zur Erntezeit, beim
Federnreißen, bei Kind-taufen, Konfirmationen und Hochzeitsfeiern.
Im zweiten Teil des wirklich
gelungenen Abends las Frau Brandt aus den Paschlewwer Jeschichten „Töffchen
und sein Notizbuch“, eine Geschichte aus den Kriegswirren um 1813.
Diese Geschichte passte natürlich
zum Thema des Abends, denn hier waren die Wirren des Krieges auch an
„Große Paschlemm“ (Dorf Groß-Pasch-leben) nicht vorbeigegangen.
Die Wäschkemutter "mitn juten Harze" verwöhnte alle mit
Schwarz-sauerklump.
Anschließend reichte die Küche des
„Altdeut-schen Hofes“ Anhaltische Kartoffelsuppe, Be-amten-Stippe, Grünkohlplatte
und Bratapfel.
Otto-Walter Kurstedt
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Das Braunkraut-Gericht des
Hauses: Grünkohlplatte

Die Teilnehmer beim Verkosten der anhaltischen Gerichte |

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| Bilder
und Bildbearbeitung:
Hans-Jürgen Janik |
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