Köthener Veranstaltungsbericht Juni 2004
Fahrrad- und Autotour nach Cösitz  
Führung mit Herrn von Trotha  
Am Sonnabend, den 11. 09. 04, 10.00 Uhr im Haus von Trotha 
Gemeinsame Veranstaltung des VAL mit der Kreisvolkshochschule Köthen
 
 
Fahrradtour 2004 des VAL-Kreisverbandes Köthen  

Mit dem Fahrrad kamen letztendlich nur zwei der etwa 30 Teilnehmer. Alle anderen hatten sich vom Regen ab- schrecken lassen und das Auto benutzt. Nachdem das Wetter jedoch noch ein Einsehen hatte, erlebte jeder einen unvergesslichen Tag in Cösitz. Nicht nur wegen des dann doch noch schönen Wetters, in erster Linie war dies der herzlichen Gastfreundlichkeit des Ehepaars von Trotha zu verdanken.


Herr v. Trotha beschreibt im Schloßpark die geleisteten Arbeiten und präsentiert ihre beeindruckenden Ergebnisse

 

 

 

 

Diese Herzlichkeit verband sich mit Eindrücken von einem malerischen Ort, welcher trotz aller Abgelegenheit Bemer- kenswertes zu bieten hatte. In ihrer Gesamtheit vermittelte die Exkursion „Landeskunde“ im besten Sinne des Wor- tes, gab es doch Neues aus Geschichte, Kunstgeschichte, Botanik und vielem mehr zu entdecken.
Zeugnisse tausender Jahre slawischer und deutscher Sied- lungsgeschichte, beginnend beim eiszeitlichen Findling, fortgesetzt durch einen slawischen Burgwall und vollendet schließlich durch das Ende des 19. Jahrhunderts umge- baute Schloss derer von dem Bussche-Lohe, wurden den Besuchern gezeigt.

 


 

 

 Cösitz (Kr. Dessau-Köthen/Köthen). Am sumpfigen Zu- sammenfluß von Fuhne und Nessel liegt die ehem. Haupt- burg des slaw. Stammes der Coledizier mit großer besie- delter Vorburg, welche die heutige Dorflage einschließt. Der Hauptwall ist heute noch fast 5 m hoch. Mittelslaw. und ma. Scherben wurden hier gefunden.
Die noch heute gut erkennbare große Wallburg an Stelle des späteren Rittergutes wird heute meist mit der bei dem großen Slaw.-aufstand von 839 von den Annales St. Ber- tiniani erwähnten Kesigesburg gleichgesetzt. Der heutige Ort wird aber erst 1370 urkl. genannt. Ein Gut zu C. befand sich anfangs im Besitz einer nach dem Dorf be- nannten Fam., nach mehrfachem Wechsel ging es E. 17. Jh. an die v. dem Bussche-Lohe über, die es bis 1945 be- saßen. In C. wurde A. 20. Jh. ein großer Münzfund von rund 19 000 Pfennigen und Halbpfennigen des 13. und 14. Jh. gemacht.

Das Burgtor - Eingang zu einem sehr großen Schloß- und Gutsareal


Fast idyllisch anmutende Winkel im nicht mehr bewirtschafteten Gut

 

 



 

 


Aus
HANDBUCH DER HISTORISCHEN STÄTTEN DEUTSCHLANDS, Bd. 11, PROVINZ SACHSEN / ANHALT,
Alfred Kröner Verlag Stuttgart, Stuttgart 1987, S. 69.

An diesen Beispielen demonstrierte uns Herr von Trotha, was in den Jahren nach der Wende erreicht werden konnte (bemerkenswert: der von ABM-Kräften idyllisch wiederhergestellte Park des Gutes mit seinen seltenen Bäumen und seinen Sichtachsen)  - und was nicht, deutlich am Beispiel des akut vom Verfall bedrohten Schlosses, wobei sich diesem Verfall der Verein „Land-Leben-Kunst-Werk e.V.“ mit dem ihm möglichen Kräften ent- gegenstellt.

 

 



Blick von den Gebäuden des Gutes über den
inzwischen begrünten zentralen Platz zum Schloß.
Seinen markanten Treppenturm verdankt das Schloß der Verbindung derer von Wuthenau mit  der ansässigen
Familie von dem Bussche-Lohe am Ende des 19. Jh.
Entsprechende Allianzwappen sind am Turm und
an der Balkonbrüstung der Gartenfront zu sehen.
Auch im Schloß zeugen Täfelungen und das zentrale Treppenhaus, in der Dorfkirche bunte Stifterfenster von
 nicht unbedeutenden, nach Cösitz geflossenen  Geldmitteln.

An der Gartenseite des Schlosses ist unübersehbar, 
wie weit die finanziellen Mittel des jetzigen Investors 
und Besitzers zur Sanierung der Fassaden reichte. 

 

 


Die Räume im Obergeschoß (Gartenseite) sind mit gediegener Deckentäfelung versehen. Diese im sehr guten Zustand befindlichen Holzarbeiten zeigen in allen Räumen Spuren der nach dem Krieg eingezogenen Zwischenwände. Es wurde Wohnraum für die Kriegsflüchtlinge und Umsiedler gebraucht.

 



Wieder freigelegte Sichtachsen, große Solitäre auf Lichtungen, Sumpfzypressen am schilfumsäumten Schloßteich - ein Spaziergang durch diesen romantischen Park ist ein besonderes Erlebnis   
 

 

Die zwischen Schloß und Park stehende Buche hat einen
 imposanten Stammumfang. Allerdings wird ihr vermeintliches
 Alter weit höher angesetzt als es wirklich sein kann. 
Sie steht auf einem Stück zugeschütteten Burggraben. Dies geschah, so Herr v. Trotha, vor 180 Jahren. Die gewaltigen Ausmaße der Buche könnten durch das ziemlich dichte Pflanzen mehrerer Bäumchen und deren späteres Zusammenwachsen verursacht worden sein. Der sehr unebene Stamm scheint es zu bestätigen.   
Unbestrittener Höhepunkt der Veranstaltung war die Be- sichtigung der kleinen Cösitzer Dorfkirche. Nach einem (spontanen) Orgelvortrag von Frau Ruth Brandt erläuterte Herr von Trotha den geschnitzten Marienaltar aus dem 15. Jahrhundert – und dies in einer Art und Weise, die in jeder Beziehung Begeisterung für den Altar und die Kirche selbst erkennen lies und den Zuhörer damit ansteckte.  

 

 

 

 

 

 

 


Die Orgel-Empore  
Die kleine, aber feine Dorfkirche von Cösitz strahlt im wieder aufgefrischten Glanz inmitten eines gut gepflegten Friedhofs
Zur vergrößerten Darstellung des Altars !
Der bei Ausschachtarbeiten gefundene Findling stammt als "Reisender" der Eiszeit aus dem Gebiet des heutigen Schweden.
 
 
 

 

 

 

 

 


Das Prachtstück der Kirche - der Marienaltar aus dem Jahre 1480. Er überstand den 30jährigen Krieg (Schweden waren in Cösitz), die Napoleonischen Kriege (wieder war Militär da) und Weltkrieg II.  In der DDR-Zeit wurde er sogar restauriert .    

Insgesamt eine rundum gelungene Veranstaltung, die nach- wies, das eigentlich jeder in der Nähe seines Wohnortes Sehenswürdigkeiten erkunden kann, welche denen nicht nachstehen, die man sonst tausende Kilometer entfernt im Urlaub aufsucht und, heimgekehrt, als besonderes Erlebnis preist.

Matthias Freundel

 
Bilder, Bildtexte und Textrecherche: Hans-Jürgen Janik