170 Jahre vereint für Elbe und Schifffahrt

„Die Elbe hat in der Geschichte der Stadt Roßlau schon immer eine große Rolle gespielt. Spätestens seit 1342 lag die damalige Siedlung Rozlowe nach einem großen Hochwasser dicht am Fluss. Die Elbe hatte gewissermaßen die Seiten gewechselt und kam von Dessau nach Roßlau.“ Mit diesen Worten leitete Klemens Koschig, Oberbürgermeister a.D., VAL-Mitglied und Roßlauer Ortschronist seinen kleinen Vortrag zur Geschichte des 170-jährigen Roßlauer Schiffervereins ein. Die Regionalgruppe Anhalt-Zerbst des VAL hatte diesen Termin im Roßlauer Schiffermuseum organisiert, um mehr über einen ganz besonderen Teil der Roßlauer Orts- und Industriegeschichte zu erfahren. Diese Geschichte ist ganz stark mit der Elbe, ihrer Naturgewalt und ihren Nutzungsmöglichkeiten verbunden. Schon sehr früh hatten die Anrainer der Elbe erkannt, welche Chancen sie hatten, sich diesen Verkehrsweg nutzbar zu machen. Galten doch die Flüsse als „Autobahnen des Mittelalters“. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass schon am 29.09.1439 Fürst Georg von Anhalt gestattet, Holz zwischen Roßlau und Tochheim von den Elbschiffen anzulanden und „Freistatt zu halten“ (Stapel- und Handelsplatz). In der Urkunde des Fürsten wird Roßlau erstmalig als Zollplatz benannt. Roßlau wird als Elbhafen 1762 von der Zarin Katharina II. in einem Erlass erwähnt, mit dem sie die Züge deutscher Kolonisten an die Wolga organisierte. Die deutschen Auswanderer wurden in Roßlau gesammelt, beherbergt und

dann mit Schiffen über die Elbe nach Sankt Petersburg gebracht. Im Schreiben der Zarin ist u.a. das erste Mal von Roßlauer Schiffern die Rede.
Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Schifffahrt auf der Elbe, als mit der Elbschifffahrtsakte nach dem Wiener Kongress ab 1821 die Elbzölle abgeschafft wurden. Auch die Periode der Industrialisierung war in Roßlau mit der Elbe verbunden.
1844 gründeten die Söhne des Schmiedemeisters Sachsenberg eine Maschinenfabrik aus der ab 1866 die Schiffswerft hervorging. Die Firmen der Sachsenbergs in Roßlau werden zum Motor der industriellen Entwicklung der Stadt. Besonders stolz sind die Mitglieder des Roßlauer Schiffervereins 1847 e.V. auf die in ihrem Museum ausgestellten Erfindungen, die in der Schiffwerft entstanden. „Hier sind besonders das Schaufelrad mit Exzentersteuerung, das der Oberingenieur Ernst-Wilhelm Dietze entwickelte und das Tragflächenboot zu nennen,“ sagt Dieter Herrmann vom Schifferverein. Während das verstellbare Schaufelrad 1883 entstand, wurden die ersten Tragflächenboote in den dreißiger Jahren gebaut. In der Roßlauer Schiffswerft wurden nicht nur Flussschiffe, sondern besonders nach 1945, auch seetüchtige Schiffe gebaut. Nach 1990 gab es erhebliche Überkapazitäten im deutschen Schiffbau. Binnenwerften hatten da schlechte Karten, so dass ein schmerzhafter Anpassungsprozess eingeleitet werden musste.

Heute, nach der Fusion mit dem Stahlbau Dessau ist die Roßlauer Werft auf die Fertigung von Kranen, Brücken, Stahlsektionen für den Schiff- und Yachtbau und den Stahlwasserbau ausgerichtet.
Die Roßlauer Schiffer können heute auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. 1811 waren zwei Elbschiffer in Roßlau bekannt. 1847 schlossen sich die Schiffer in einem Verein zusammen, um ihre Interessen zu schützen und ihr Schifferfest zu organisieren. Die Zahl der Schiffer stieg und erreichte um 1910 mit 228 Personen ihren Höhepunkt. Heute fahren weniger Schiffe auf der Elbe als früher, aber für manche Riesenlasten sind die Elbschiffe unverzichtbar. Natürlich setzen sich die alten Schifferkameraden für mehr Schiffsverkehr auf der Elbe ein und haben kaum Verständnis für Leute, die die Elbe nur „naturbelassen“ sehen.
Das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Roßlau ist in der Clara-Zetkin-Straße 30c, 06862 Dessau-Roßlau zu finden. Es hat jeden Dienstag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr und außerdem jeden 3. Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Man kann sich auch unter der Tel.-Nr. 034901 84824 anmelden. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 2 Euro, für Kinder 50 Cent.

Lothar Jeschke

Oberbürgermeister a.D. Klemens M. Koschig war in seinem Element als er über die Elbe, die Roßlauer Schiffer und ihre Geschichte sprach.
Oberbürgermeister a.D. Klemens M. Koschig war in seinem Element als er über die Elbe, die Roßlauer Schiffer und ihre Geschichte sprach.

Oberbürgermeister a.D. Klemens M. Koschig war in seinem Element als er über die Elbe, die Roßlauer Schiffer und ihre Geschichte sprach.

Eine Erfindung aus dem Jahr 1883: Das Exzenter-Schaufelrad, hier das Modell im Schiffermuseum.
Eine Erfindung aus dem Jahr 1883: Das Exzenter-Schaufelrad, hier das Modell im Schiffermuseum.

Eine Erfindung aus dem Jahr 1883: Das Exzenter-Schaufelrad, hier das Modell im Schiffermuseum.

Ebenfalls im Modell: Eines der ersten Tragflächenboote aus der Schiffswerft Roßlau.
Ebenfalls im Modell: Eines der ersten Tragflächenboote aus der Schiffswerft Roßlau.

Ebenfalls im Modell: Eines der ersten Tragflächenboote aus der Schiffswerft Roßlau.

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