Die Ölmühle Roßlau ist als sozio-kulturelles Zentrum ein Mittelpunkt der Vereinstätigkeit. Hier ist auch das Domizil der AG Heimatgeschichte Roßlau, die zum Vortrag über Joachim Greff eingeladen hatte.

Während der Feiern zum 500. Jubiläum der Reformation war oft von den Hauptakteuren der großen Umwälzung in Wittenberg die Rede. Melanchthon, Bugenhagen und natürlich Martin Luther selbst wurden gewürdigt und vermarktet. Inzwischen kommt aus Wittenberg nicht nur die Luther-Tomate, sondern auch die Luther-Erdbeere.
Bei so vielen verdienten Persönlichkeiten wird mitunter vergessen, dass die Reformation, eine große Bewegung innerhalb der Kirche, auch von vielen Christen auf der Ebene der Pfarrer, Lehrer und Kantoren vorangebracht wurde. Einer dieser Christen ist Joachim Greff, der am Schluss seines Lebens in Roßlau wirkte.
Frau Dr. Andrea Seidel, vom Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat über Greff promoviert. Sie beschäftigt sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit schon länger mit diesem lutherischen Theologen und Pädagogen, der vor allem als Reformationsdramatiker bekannt ist. Frau Dr. Seidel hatte sich bereit erklärt, über ihre Forschungen zu berichten.
Joachim Greff wurde um 1510 in Zwickau geboren. Sein Vater war der Organist Paul Greff. Nach dem Besuch der Lateinschule in seinem Heimatort studierte Greff ab 1528 in Wittenberg und dürfte somit als Lutherschüler anzusehen sein. Zu dieser Zeit rief Martin Luther dazu auf, die Reformation zu veranschaulichen. Greff befasste sich nun mit Dramen, um biblische Themen auf einer Bühne aufzuführen. Dabei kam ihm zugute, dass er als Lehrer mit seinen Schülern arbeiten konnte. Im Laufe der Jahre entstanden die Dremen Jacob (1534), Susanna (1535), Aularia (1535) Judith (1536), Abraham (1540), Osterspiel (1542), Auferweckung des Lazarus (1545) und Zachäus (1546). Greffs weitere Lebensstationen waren ab 1533 Halle, ein Jahr später Magdeburg und ab 1537 Dessau.

Frau Dr. Andrea Seidel hat sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit intensiv mit Joachim Greff beschäftigt.
Dort heiratete er seine Frau Anna Balthazar und wird sogar Rektor der fürstlichen Schule. In der Residenzstadt an der Mulde gibt es allerdings einen heftigen Streit mit den Pfarrern, die sich beim Fürsten Georg über ihn wegen der „übrigen unnützen Gesängen ym tempel“ beschweren. Greff erhielt zwar Unterstützung von den Reformatoren in Wittenberg, aber letztlich geht er 1550 in die Nachbarstadt Roßlau, um eine Pfarrstelle zu übernehmen. Zwei Jahre später stirbt er an der Pest. Sein gesamter Nachlass wurde vernichtet, handschriftliche Urkunden sind deshalb nicht vorhanden. Auch ein Porträt, der Zeit entsprechend, vielleicht als Kupferstich oder Holzschnitt, wurde bisher noch nicht gefunden.
Aber es gibt gedruckte Werke von Joachim Greff. Andrea Seidel hatte einige Nachdrucke von Greffs Büchern mit gebracht. Hier ist zu sehen, dass er nicht nur den Text seiner Dramen aufgeschrieben hat, sondern immer auch genaue Regieanweisungen einfügte. Mit Musik und Gesang wurden die Stücke für die Zuschauer eindringlicher. „Es ging darum, das auf die Bühne zu bringen, was bisher der Pfarrer in der Kirche erzählte,“ erklärte Andrea Seidel. Vorbild waren die klassischen Dramen aus der Antike und geistige Spiele des Mittelalters, die Greff z.B. in Freiberg gesehen hatte. „Das passte aber nicht zur Reformation, etwas Neues musste her,“ bemerkte Andrea Seidel.
Mit seinen Werken sorgte Joachim Greff dafür, dass der Gedanke der Reformation im Volk weiter um sich griff und auch von denen verstanden wurde, die die Flugblätter Martin Luthers nicht lesen konnten.
Lothar Jeschke

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