An Rande des Dessauer Georgenparks, mitten im heutigen Tierpark, ragt ein markantes Gebäude empor. Es ist mit seinem glänzenden Kuppeldach schon von weitem zu sehen und erregt die Aufmerksamkeit der Touristen, die am Hauptbahnhof ankommen und vielleicht den Weg nach dem Bauhaus suchen. Es ist das Herzogliche Mausoleum, das dort seit 120 Jahren steht und den Stürmen der Zeit und vor allem den Bomben des 2. Weltkrieges getrotzt hat.
Dieses noch junge Denkmal der anhaltischen Geschichte war am 15.09.2018 das Ziel einer Exkursion zu der die Regionalgruppe Anhalt-Zerbst des VAL eingeladen hatte. Angeschlossen hatten sich der Zerbster Heimatverein und die Gruppe der Geschichtsfreunde aus dem Dorf Bornum bei Zerbst. Etwa 35 Besucher sammelten sich um Hans-Joachim Mellies, der die Gruppe durch das Gebäude führte. Herr Mellies, der Gründungsmitglied des Fördervereins Mausoleum e.V. Dessau ist, berichtete zunächst über die interessante Baugeschichte des Mausoleums, bevor es in die Innenräume ging.
Am Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich für das Dessauer Herzogshaus ab, dass die Gruft in der Schloss-und Marienkirche nicht mehr genutzt werden konnte. Es war einfach kein Platz mehr in der Krypta der traditionellen Grablege der Dessauer Fürsten, denn teilweise standen die Sarkophage schon in drei Etagen übereinander. Recht schnell wurde zwischen 1894 und 1898 das neue Mausoleum errichtet und ein entsprechender Park angelegt. Der bekannte Berliner Architekt Franz Heinrich Schwechten (1841-1924) konzipierte den Bau im Auftrag des Herzogs Friedrich I. im Stil des Historismus. Schwechten nutzte Elemente der Renaissance und der Antike. Interessant ist, dass erstmalig in Dessau ein Stahlskelettbau errichtet wurde, bei dem auch der neue Baustoff Beton eingesetzt wurde. Das Stahlgerüst ist vollständig in den Mauern verborgen und trägt auch die 43 m hohe Kuppel. Die Kuppelhalle ist kreuzförmig angelegt und hat die Maße 38 × 46 m. Das Mausoleum ist in zwei Bereiche gegliedert: die Auferstehungskapelle in der Kuppelhalle und die darunter liegende Krypta, die als Grablege diente. Die Kapelle war kirchlich geweiht, so dass die Begräbnisfeier hier stattfinden konnte. Von dort gelangten die sterblichen Überreste im Sarg in die Krypta. Von Anfang an war das Mausoleum ausschließlich den Mitgliedern der anhaltischen Fürstenfamilie als Begräbnisstätte vorbehalten. Schon kurz nach der Fertigstellung des Mausoleums wurde es erstmalig genutzt. Bis 1939 fanden zehn Mitglieder der Herzogsfamilie hier ihre letzte Ruhe.

Schon bald danach begann der Verfall des abseits gelegenen Gebäudes. Bis 1918 hielten Soldaten auf dem Gelände Wache und sicherten die Totenruhe. In den zwanziger Jahren gab es einen ersten Einbruch, der nie aufgeklärt wurde. Nach einem Granatentreffer am Ende des 2. Weltkrieges gelangten Plünderer in das Mausoleum und es kam zu Diebstählen und zu Vandalismus. Da diese Freveltaten nicht zu verhindern waren, wurden die sterblichen Überreste der Fürstenfamilie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf dem Ziebigker Friedhof beigesetzt. Danach nutzten einige Dessauer Betriebe das Mausoleum als Lagerstätte. Die Freitreppe und die Wiese davor bildeten die Kulisse für Veranstaltungen, wie z.B. Jugendfestivals.
Am Gebäude mussten immer wieder Bauschäden repariert werden. Eine der bekanntesten Aktionen war 1986 die Sanierung des Kuppeldaches. Die ursprüngliche Kupferverkleidung war am Anfang des 2. Weltkrieges durch Dachpappe ersetzt worden. Da in der DDR Kupfer äußerste Mangelware war, kam der Dessauer Architekt Wilhelm Schulze auf die Idee, eloxiertes Aluminiumblech einzusetzen. Dieses Material kam aus dem damaligen VEB Leichtmetallbau Dessau. Doch auch als das Dach wieder dicht war, blieb das Mausoleum ein Sorgenkind. Es traten immer wieder Schäden auf und es musste saniert werden. Mit der Gründung des Fördervereins im Jahr 2007 begann eine kontinuierliche Arbeit, die zum Ziel hat, dieses Wahrzeichen der Stadt Dessau regelmäßig öffnen zu können. Auf diesem Weg konnten schon beachtliche Erfolge erzielt werden. Mit Hilfe der Jugendbauhütte und der Unterstützung von Sponsoren wurde der historische Sandsteinbrunnen wieder hergestellt. Zurzeit saniert ein Team der Jugendbauhütte die Freitreppe am Eingang des Mausoleums. Es bleibt zu wünschen, dass der Förderverein seine verdienstvolle Arbeit fortsetzen kann und auch ein Nutzungskonzept für das Mausoleum entwickelt wird.
Lothar Jeschke

Etwa 35 Teilnehmer Interessierten sich für das Herzogliche Mausoleum.
Etwa 35 Teilnehmer Interessierten sich für das Herzogliche Mausoleum.

Etwa 35 Teilnehmer Interessierten sich für das Herzogliche Mausoleum.

Im Innern des Mausoleums beeindruckt die gewaltige Kuppel der Auferstehungskapelle.
Im Innern des Mausoleums beeindruckt die gewaltige Kuppel der Auferstehungskapelle.

Im Innern des Mausoleums beeindruckt die gewaltige Kuppel der Auferstehungskapelle.

Der Fußboden der Kapelle ist mit einem Mosaik im römischen Stil geschmückt.
Der Fußboden der Kapelle ist mit einem Mosaik im römischen Stil geschmückt.

Der Fußboden der Kapelle ist mit einem Mosaik im römischen Stil geschmückt.

Biblische Motive mit goldfarbenem Hintergrund schmücken die Apsis der Kapelle.
Biblische Motive mit goldfarbenem Hintergrund schmücken die Apsis der Kapelle.

Biblische Motive mit goldfarbenem Hintergrund schmücken die Apsis der Kapelle.

Blick in die Krypta, die als Bestattungsraum diente. Die eisernen Sarkophage stammen aus der Schloss- und Marienkirche in Dessau.
Blick in die Krypta, die als Bestattungsraum diente. Die eisernen Sarkophage stammen aus der Schloss- und Marienkirche in Dessau.

Blick in die Krypta, die als Bestattungsraum diente. Die eisernen Sarkophage stammen aus der Schloss- und Marienkirche in Dessau.

Auch Kinder wurden in solchen eisernen Sarkophagen bestattet.
Auch Kinder wurden in solchen eisernen Sarkophagen bestattet.

Auch Kinder wurden in solchen eisernen Sarkophagen bestattet.

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