Ein neues Licht auf Friedrich August

Das vorliegende Buch ist als Dissertation von Dr. Paul Beckus im Mitteldeutschen Verlag Halle/S. erschienen.

Vor 225 Jahren, am 3. März 1793, verstarb Friedrich August, der letzte Fürst von Anhalt-Zerbst. Er wurde zeit seines Lebens bis heute als degenerierter, unfähiger und wahnsinniger Landesherr beschrieben. Ein völlig neues Licht auf Friedrich August wirft nun die Arbeit des jungen Hallenser Historikers Paul Beckus.

Knapp 60 Interessierte begrüßte Lothar Jeschke von der Regionalgruppe Zerbst des Vereins für Anhaltische Landeskunde (VAL) am 30. Oktober in Zerbst zum Vortrag „Ränke, Räte, Favoriten“, in dem es um die Herrschaft in Anhalt-Zerbst während der Abwesenheit des Fürsten Friedrich August (1751-1793) ging. Unterstützt wurde dieser Abend durch die Historische Kommission für Sachsen-Anhalt (Hiko). Es sei die erste Veranstaltung der Hiko in Zerbst, so Dr. Ralf Lusiardi vom Vorstand der Hiko, der eingangs kurz über die Aufgaben und Tätigkeit der Hiko informierte und dem die Moderation des Abends oblag.
Dr. Paul Beckus, Referent und Autor des Buches „Land ohne Herr-Fürst ohne Hof? Friedrich August von Anhalt-Zerbst und sein Fürstentum“, verwies am Anfang seiner Ausführungen darauf, dass namhafte „Anhalt“ – Historiker des 19. Jahrhunderts wie Stenzel, Specht und Wäschke in ihren Schriften die Zeit unter Fürst Friedrich August in Anhalt-Zerbst als ein „mahnendes Beispiel für eine schlechte Regierung“ bezeichneten.

Ohne jegliche kritische Auseinandersetzung und ohne Überprüfung übernahmen weitere Generationen von Historikern dieses negative Bild vom Wirken des Geheimratskollegiums, das vor Ort die Regierungsgeschäfte während der Abwesenheit des Fürsten wahrnahm. Nach Beckus Forschungen wurde die Arbeit dieses Kollegiums stets von allgemeinen, zumeist stereotypisierten, wenig konkreten Korruptions-, Machtmissbrauchs- und Bereicherungsvorwürfen begleitet. Damit ging ein häufiger Personalwechsel einher, so dass wenig Kontinuität herrschte. Laut Beckus hielt aber keine der Beschuldigungen einer Untersuchung stand. Keinem Ratsmitglied wurden Verfehlungen nachgewiesen. Zuvor entlassene Geheimräte wurden entlastet und wieder eingesetzt.
Die Arbeit des Geheimratskollegiums wurde auch durch die „Kommunikation auf Distanz“ zum Fürsten, der des Öfteren seinen Aufenthaltsort wechselte, erschwert, so dass die brieflichen Antworten des Fürsten wochenlang auf sich warten ließen. Des Weiteren durfte sich kein Beschwerdeführender direkt an den Fürsten wenden, sondern musste über das Geheimratskollegium gehen, was auch nicht zu Konfliktlösungen beitrug. Ebenso der Fakt, dass dem Fürsten aufgrund seiner Abwesenheit nicht alle von ihm eingesetzten Amtsträger ihm persönlich bekannt waren, er war auf Berichte angewiesen. Das erschwerte es ihm, ein wahres Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Beckus bemühte sich den zuletzt regierenden Fürsten von Anhalt-Zerbst als einen gewöhnlichen Fürsten seiner Zeit darzustellen, denn seine Handlungsweisen waren seinerzeit auch in anderen deutschen Fürstentümern gang und gäbe.
Nach einer regen Diskussion mit den Zuhörern kamen die Anwesenden zum Schluss, dass ein überarbeitetes Handbuch zur Geschichte Anhalts erforderlich sei. Daran werde bereits in der Arbeitsgruppe „Anhalt“ der Hiko gearbeitet wird, so Dr. Lusiardi abschließend.
Nach dem Vortrag ließen es sich zahlreiche Zuhörer nicht nehmen, mit dem Referenten ins persönliche Gespräch zu kommen und sich ihre zuvor erworbenen Buchexemplare signieren zu lassen.

Annegret Mainzer

Dr. Paul Beckus stellte den Fürsten Friedrich August erstmals als einen durchschnittlichen Herrscher dar, der aber bewusst negativ beurteilt wurde.
Dr. Paul Beckus stellte den Fürsten Friedrich August erstmals als einen durchschnittlichen Herrscher dar, der aber bewusst negativ beurteilt wurde.

Dr. Paul Beckus stellte den Fürsten Friedrich August erstmals als einen durchschnittlichen Herrscher dar, der aber bewusst negativ beurteilt wurde.

Mit ca. 60 Teilnehmern war der Veranstaltungsraum der Sparkasse in Zerbst gut gefüllt.
Mit ca. 60 Teilnehmern war der Veranstaltungsraum der Sparkasse in Zerbst gut gefüllt.

Mit ca. 60 Teilnehmern war der Veranstaltungsraum der Sparkasse in Zerbst gut gefüllt.

Einige Teilnehmer ließen sich ihre Bücher vom Autor signieren.
Einige Teilnehmer ließen sich ihre Bücher vom Autor signieren.

Einige Teilnehmer ließen sich ihre Bücher vom Autor signieren.

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