Nach Abstecher zur Osterkirche folgt die Weihnachtskirche

Exkursion des Vereins für Anhaltische Landeskunde führt in die Geschichte und die Konzepte „Entschlossener Kirchen”

Von Annegret Mainzer Zerbst/Garitz/Polenzko

Aufeiner Exkursion erkundeten Mitglieder und Freunde Regi­onalgruppe Zerbst/Anhalt des Vereins für Anhaltische Lan­deskunde (VAL) die Themen­kirchen im Evangelischen Kir­chenkreis Zerbst. Treffpunkt war am Sonnabend das Dorf­kirchenmuseum in der alten Stärkefabrik in Garitz. Dort be­grüßte die Kunsthistorikerin und Vorsitzende der Stiftung „Entschlossene Kirchen” Sonja Hahn die Anhaltfreunde aus Zerbst und Dessau.
Im Dorfkirchenmuseum er­fuhren sie wissenswerte Fak­ten über die Arbeit und Ziele der seit dem Jahr 2005 bestehenden Stiftung. Diese kümmert sich zurzeit um den Erhalt und die perspektivische Nutzung von rund 46 der 61 im Kirchenkreis Zerbst gelegenen Dorfkirchen. Dabei, so Sonja Hahn, gehe es nicht nur um den Erhalt der Kirchengebäude, sondern auch um die Gewährleistung einer ganzjährigen Öffnung der Kir­chen für Pilger und Touristen, was ehrenamtliches Engage­ment vor Ort erfordere. Für alle von der Stiftung betreuten Kirchen könne das noch nicht garantiert werden, führte die Kunsthistorikerin aus.

Mit individuellem Konzept die Gotteshäuser erhalten

Des Weiteren informierte sie über die Themenkirchen im Kirchenkreis Zerbst: Bibelkir­che in Düben, Gesangsbuch­kirche in Luso, Osterkirche in Trüben und Weihnachtskirche in Polenzko. Die beiden letzte­ren Kirchen besichtigten die Anhaltfreunde gemeinsam mit Sonja Hahn vor Ort.
In der aus dem 13. Jahrhundert stammenden romanischen Feldsteinkirche in Trüben konnten die Exkursionsteil­nehmer sehen, wie an 12 von dem Köthener Kunstmaler Hartmut Rogge gestalteten Sta­tionen – vom Einzug Jesu in Je­rusalem bis zur Auferstehung am Ostermorgen – Besuchern interaktiv ermöglicht wird, die Ostergeschichte nachzu-vollziehen. Kunsthistorikerin Sonja Hahn erläuterte, wie in der Osterkirche das Eisenacher Regulativ von 1861, ein Vor­schriftenkatalog zur Gestaltung protestantischer Kirchen­bauten in Deutschland, seine Anwendung fand. Interessant auch, dass man mittels dendrochronologischer Untersu­chungen des am Dachstuhl der Kirche verwendeten Holzes he­rausfand, dass dieses Holz aus den Jahren zwischen 1250 und 1280 stammt, wohingegen die letzte Umgestaltung des Kircheninnenraumes in der zwei­ten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzogen wurde.
Im Anschluss besichtigten die Anhaltfreunde die Weih­nachtskirche in Polenzko. In dieser im 12. Jahrhundert erbau­ten romanischen Kirche befin­den sich seit 2009 die wohl größ­ten Krippenfiguren,

die man je in einer deutschen Kirche ge­sehen hat, ehrenamtlich ange­fertigt vom inzwischen verstor­benen Zerbster Pädagogen und Bildhauer Horst Sommer. Auch dort verwies Sonja Hahn darauf, dass das Kirchengebäude trotz privater Förderung der Innen­ausstattung einer dringenden Sanierung bedarf.
Sehr beeindruckt waren die Anhaltfreunde auch von den in der Kirche befindlichen stei­nernen Epitaphien, sehr auf­wändig mit sinnbildlichem Dekor gestaltet. Sie erinnern an die Familie von Metsch, der unter anderem Johann Adolf von Metsch, 1672 in Polenzko geboren und 1740 in Wien ver­storben, angehörte. Er war von 1734 bis 1740 Reichsvizekanzler des Heiligen Römischen Rei­ches.

Nächste Exkursion führt ins Simonetti-Haus Coswig

Nach zweistündigem Exkurs in die Geschichte der Themenkir­chen in Trüben und Polenzko bedankte sich Lothar Jeschke, Leiter der Zerbster Regional­gruppe des VAL, bei der Exper­tin Sonja Hahn für ihre span­nenden Ausführungen, die für jeden Teilnehmer etwas Neues boten. Außerdem lud er bei der Gelegenheit gleich zur nächs­ten Geschichtsexkursion ein. Bei dieser geht es am 17. Juni nach Coswig, um das dortige Simonetti-Haus zu besichtigen. Neben den Mitgliedern des VAL sind zu diesen Exkursionen ebenfalls historisch interes­sierte Nichtmitglieder einge­laden.

Die Exkursion begann in der ehemaligen Garitzer Stärkefabrik, dem heutigen Kirchenmuseum.
Die Exkursion begann in der ehemaligen Garitzer Stärkefabrik, dem heutigen Kirchenmuseum.

Die Exkursion begann in der ehemaligen Garitzer Stärkefabrik, dem heutigen Kirchenmuseum.

In der Osterkirche in Trüben ist auch das letzte  Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern nachgestaltet.
In der Osterkirche in Trüben ist auch das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern nachgestaltet.

In der Osterkirche in Trüben ist auch das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern nachgestaltet.

Außen an der Osterkirche ist die Nachbildung des Felsengrabes zu sehen.
Außen an der Osterkirche ist die Nachbildung des Felsengrabes zu sehen.

Außen an der Osterkirche ist die Nachbildung des Felsengrabes zu sehen.

In der Weihnachtskirche Polenzko beeindrucken die überlebensgroßen Krippenfiguren als Holz, die der Zerbster Künstler Horst Sommer geschaffen hat.
In der Weihnachtskirche Polenzko beeindrucken die überlebensgroßen Krippenfiguren als Holz, die der Zerbster Künstler Horst Sommer geschaffen hat.

In der Weihnachtskirche Polenzko beeindrucken die überlebensgroßen Krippenfiguren als Holz, die der Zerbster Künstler Horst Sommer geschaffen hat.

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