Hinter den Mauern der Wasserburg Roßlau

Die Wasserburg Roßlau ist als imposantes Gebäude, direkt gelegen an der Bundesstraße 187, vielen ein Begriff. In den letzten Jahren ist sie ein wahres Schmuckstück geworden und zahlreiche Veranstaltungen locken viele Besucher auf das Burggelände. Von außen ist die Wasserburg also eine bekannte Größe. Aber wie sieht es hinter den dicken, alten Mauern aus?
Die Mitglieder der Regionalgruppe Anhalt des VAL wollten dieser Frage unbedingt einmal nachgehen und hatten deshalb am 12. November 2016 zu einer Exkursion eingeladen. Schon eine halbe Stunde vor dem Termin füllte sich das Gelände vor der Burg, so dass man von einer überraschenden Resonanz sprechen kann. Gegen zehn Uhr waren etwa 40 bis 50 Personen versammelt und Torsten Vollert, VAL-Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Burg Roßlau e.V., konnte die Exkursion eröffnen.

Wechselvolle Baugeschichte

Bevor die Türen aufgeschlossen wurden, gab es eine kleine Einführung in die Baugeschichte der Wasserburg. Deren Existenz ist seit 1358 urkundlich belegt, tatsächlich ist die Burg aber viel älter. Vermutlich ist hier die erste deutsche Burganlage schon im zwölften Jahrhundert auf einer slawischen Kulturschicht errichtet worden. Etwa um 1200 wurde im heutigen Burghof ein gewaltiger Turm erbaut. Er maß 10,80 m im Durchmesser, die Feldsteinmauern waren 4,30 m stark. Seine Höhe wird auf 25 bis 30 m geschätzt. Die Fundamente dieses Bergfrieds wurden 2007 bei Schachtarbeiten unter dem Pflaster des Burghofes gesichtet und 2009 bei der Hofneugestaltung komplett ausgegraben. Bei Ausgrabungen im Jahr 2005 hatte man den „Roßlauer Treuering“ gefunden, den man nach einer eingehenden Analyse auf das 17. Jahrhundert datierte. Man geht davon aus, dass der Bergfried, schon um 1300 abgebrochen wurde, da er nicht stabil genug war. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Gebäude von den Anhalter Fürsten, denen die Burg seit 1358 gehörte, sehr oft um- und ausgebaut. Zunächst dienten sie als Witwensitz, später als Verwaltungsgebäude des fürstlichen Amtes Roßlau.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Gemäuer trotz der häufigen Baumaßnahmen stark verfallen. Mehrere Brände zerstörten große Teile der Wirtschaftsgebäude. Von 1833 bis 1838 schließlich ließ Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen die Burg sanieren und im neugotischen Stil wieder herrichten. Nachdem das Köthener Fürstenhaus ausgestorben war, stand die Wasserburg Roßlau leer. Erst im Jahr 1924 baute man fünf Wohnungen ein, die bis 1988 genutzt wurden. Nach einigen Jahren zog 1999 mit dem Förderverein wieder Leben in die Burg ein. „Nach umfangreichen Bauuntersuchungen begannen 2012 die Arbeiten an den Dächern und der Fassade der Burg. Dabei gelang es, historische Putzflächen mit farbiger Gestaltung freizulegen. Diese waren die Vorlagen für die nun wieder rekonstruierte Burgfassade,“ erzählt Torsten Vollert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn nun bietet die Wasserburg Roßlau einen strahlenden Anblick, wie vielleicht seit über hundert Jahren nicht mehr.

Noch Baustelle, aber mit bunten Fenstern

Doch wie sieht es innen aus? Torsten Vollert dämpft die Erwartungen: „Das ist fast überall noch eine Baustelle, seien sie also vorsichtig.“ Zuerst geht es in einen großen Raum mit schwarzen Wänden, dem Kaminzimmer. Mit dem Kamin wurde die Burg schon im Mittelalter beheizt. Nach vielen Versuchen gelang es den Mitgliedern des Fördervereins, den Kamin wieder in Betrieb zu nehmen. Dazu wurde u.a. ein Gebläse eingebaut. Gleich nebenan sieht man einige Räume, in denen eine Partyküche mit allem Komfort entsteht. „Hier sollen in Kürze Familienfeiern und Betriebsfeste stattfinden,“ erklärt Torsten Vollert. Daneben wird an einem modernen Toilettentrakt gebaut, eine Verbesserung für die öffentlichen Veranstaltungen, die in der Oberburg stattfinden. Im Erdgeschoss des angrenzenden Gebäudeflügels ist die Decke mit einigen Stützen und Unterzügen abgefangen. Unter dem Fußboden befinden sich hier die Reste einer Steinkammer-Luftheizung.

Die Außenwände wurden mit Betonbalken „unterfahren“, denn die alten Gemäuer hatten sich gesenkt. „Der Baugrund ist hier nur aufgeschüttet,“ sagt Torsten Vollert. „Aber unsere Maßnahmen waren erfolgreich, jetzt ist Ruhe.“ Die Erdgeschossräume sollen in Zukunft „multifunktional“ genutzt werden. Märkte und Außenveranstaltungen brauchen feste Räume, auch private Vermietungen soll es geben.
Natürlich wollen die Exkursionsteilnehmer auch das Obergeschoss sehen. In diese Räume geht es jetzt über verschiedene Treppen, die zum Teil durch einen Treppenturm führen. Hier oben ist heute von den früheren Wohnungen nichts mehr zu sehen. Zwischenwände wurden entfernt und man ahnt, dass hier, wie in früheren Zeiten, größere Räume entstehen werden. „Unser Verein kann sich hier ein Trauzimmer für Hochzeiten, Vereinsräume oder einen einfachen Beherbergungsbetrieb mit Ferienwohnungen vorstellen. Denkbar ist aber auch die museale Nutzung,“ erklärt Torsten Vollert. Den Exkursionsteilnehmern imponieren im Obergeschoss der Wasserburg die bunten Fenster im neugotischen Stil aus dem 19. Jahrhundert. Auch ein Kamin aus dieser Zeit im gleichen Stil ist sehr gut erhalten. Es lässt sich also einiges aus diesen Räumen machen. Ein Stockwerk höher ist dann schon der Dachboden, eine aufwändige Holzkonstruktion aus dem 17. Jahrhundert. Ein Experte des Burgvereins erklärt, wie geschickt unsere Vorfahren in der Zimmermannskunst waren. So wurden senkrechte Balken mit Schwalbenschwanz-Verbindungen ineinander gefügt, um Zugkräfte aufzunehmen.
Vorsichtig treten die VAL-Mitglieder und ihre Gäste den Weg über Treppen und Stiegen nach unten in den Burghof an. Viele legen den Kopf in den Nacken, um sich noch einmal bei herrlichem Sonnenschein die Außenfassade der Wasserburg anzusehen.

Lothar Jeschke

Überraschende Resonanz – etwa 40 bis 50 Personen nahmen an der Exkursion teil.
Überraschende Resonanz – etwa 40 bis 50 Personen nahmen an der Exkursion teil.

Überraschende Resonanz – etwa 40 bis 50 Personen nahmen an der Exkursion teil.

Im Hof ist das Fundament des ehemaligen Bergfrieds mit Metall markiert.
Im Hof ist das Fundament des ehemaligen Bergfrieds mit Metall markiert.

Im Hof ist das Fundament des ehemaligen Bergfrieds mit Metall markiert.

Torsten Vollert, VAL-Mitglied und stellv. Vorsitzender des Fördervereins führte durch die Wasserburg Roßlau.
Torsten Vollert, VAL-Mitglied und stellv. Vorsitzender des Fördervereins führte durch die Wasserburg Roßlau.

Torsten Vollert, VAL-Mitglied und stellv. Vorsitzender des Fördervereins führte durch die Wasserburg Roßlau.

Mit diesem Kamin wurde die Burg schon im Mittelalter beheizt.
Mit diesem Kamin wurde die Burg schon im Mittelalter beheizt.

Mit diesem Kamin wurde die Burg schon im Mittelalter beheizt.

Die Fenster mit buntem Glas aus dem 19. Jahrhundert sind noch gut erhalten.
Die Fenster mit buntem Glas aus dem 19. Jahrhundert sind noch gut erhalten.

Die Fenster mit buntem Glas aus dem 19. Jahrhundert sind noch gut erhalten.

Dieser Kamin im neugotischen Stil wurde im 19. Jahrhundert im Salon des Obergeschosses eingebaut.
Dieser Kamin im neugotischen Stil wurde im 19. Jahrhundert im Salon des Obergeschosses eingebaut.

Dieser Kamin im neugotischen Stil wurde im 19. Jahrhundert im Salon des Obergeschosses eingebaut.

Mit einer solchen Schwalbenschwanz-Verbindung fingen Zimmerleute im 17. Jahrhundert Zugkräfte im Dachgebälk ab.
Mit einer solchen Schwalbenschwanz-Verbindung fingen Zimmerleute im 17. Jahrhundert Zugkräfte im Dachgebälk ab.

Mit einer solchen Schwalbenschwanz-Verbindung fingen Zimmerleute im 17. Jahrhundert Zugkräfte im Dachgebälk ab.

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