Mit seinem Vortrag in der Ölmühle eröffnete Klemens M. Koschig am 14. April 2026 die Veranstaltungsreihe im Rahmen des 400-jährigen Jubiläums der Schlacht an der Dessauer Elbebrücke im Jahr 1626. Der Mühlentreff war bis auf den letzten Platz besetzt. Zahlreiche Besucher konnten aufgrund des begrenzten Platzes nicht teilnehmen, sodass der Vortrag am 26. April ab 15 Uhr noch einmal wiederholt wird.
Klemens Koschig ging in seinem Vortrag auf die Ursachen und den Verlauf der Schlacht sowie die Auswirkungen auf Roßlau und die umgebenden Dörfer ein. Der folgende Text stellt nur eine sehr knappe Zusammenfassung des etwa 90-minütigen Vortrages dar. Wer Genaueres zum Ablauf der Schlacht erfahren möchte, dem sei das neu erschienene Buch „Die Schlacht bei Dessau am 25.4.1626“ von Vit Mašaga empfohlen. Es ist in der Roßlauer Ölmühle und beim Förderverein des Militärhistorischen Museums Anhalt e.V. erhältlich.
Der Dreißigjährige Krieg war 1625 schon sieben Jahre im Gange, als das Augenmerk des Krieges auf Anhalt gelenkt wurde. Wallenstein als Heerführer der kaiserlichen Truppen hatte die Bedeutung der Elbe erkannt. Als „Autobahn des 17. Jahrhunderts“ war diese wichtig für einen günstigen und schnellen Transport von Truppen und Material. Der strategisch bedeutende Elbübergang zwischen Dessau und Roßlau musste daher besonders geschützt werden.
Am 23. Dezember 1625 wurde die Elbbrücke durch kaiserliche Truppen unter Oberst von Aldringen besetzt. Zerbst wurde zunächst als Vorposten durch die Kaiserlichen eingenommen, welche nun de facto die Befehlsgewalt im Lande ausübten. In der Folgezeit wurde auf dem nördlichen Elbufer eine sternförmige Schanze zur besseren Verteidigung des Elbübergangs errichtet. Roßlau selbst war damals noch ein kleines Städtchen, das etwas von der Brücke entfernt lag. Die Fläche zwischen der Brücke und der Stadt wurde durch die Roßlauer landwirtschaftlich genutzt. Die Elbaue war damals noch dicht bewaldet.

Die gegnerischen protestantischen Truppen unter Ernst von Mansfeld kamen im März 1626 nach Anhalt-Zerbst, wo sie zunächst in die Stadt Zerbst einrückten. Kurz darauf kehrten sie jedoch nach Norden um, um die Festung Rogätz einzunehmen. Nach der Rückkehr nach Anhalt scheiterte eine erste Belagerung der Schanze ab dem 11. April 1626, wobei auf beiden Seiten kaum Verluste zu verzeichnen waren. Nach nur zwei Tagen wurde der Angriff abgebrochen, da Mansfeld mit seinen Soldaten erneut zur Unterstützung in die Altmark gerufen wurde. Dieser Einsatz wurde alsbald abgebrochen, sodass die protestantischen Truppen am 21. April 1626 endgültig Position vor der Schanze bei Roßlau bezogen und eigene kleinere Verschanzungen und Laufgräben errichteten. Wallenstein hatte die drohende Gefahr durch Mansfeld erkannt. Im Eilmarsch rückte er mit Verstärkung aus dem Westen zur Hilfe. Er selbst traf am 24. April 1626 in Dessau ein. Am 25. April 1626 starteten die protestantischen Truppen schließlich den erwarteten Angriff auf die Schanze. Doch der Vorstoß scheiterte. Stattdessen wurden die Angreifer durch heftiges Geschützfeuer von der Dessauer Seite aus unter Beschuss genommen. Danach brachen kaiserliche Soldaten aus der Schanze aus, um die Angreifer abzuwehren. Diese wurden wiederum unter schweren Verlusten zurückgedrängt.
Die endgültige Wende in der Schlacht kam wohl erst, als Reiter der Kaiserlichen unter Graf Schlick eingriffen. Diese hatten zuvor die Elbe durch eine Furt beim Sieglitzer Berg überquert, waren unbemerkt im weiten Bogen um das Schlachtfeld herumgeritten und hatten sich in einem Waldstück auf der Rückseite der protestantischen Truppen versteckt gehalten. Von hinten aus griffen sie nun an. Mansfelds Truppen wehrten sich heftig, doch die Niederlage war unvermeidbar. Zudem explodierte in diesem Moment ein Pulverwagen in Mansfelds Lager, was für zusätzliche Verwirrung sorgte. Ernst von Mansfeld floh nach Zerbst und von dort weiter in Richtung Altmark. Seine Truppen wurden durch die Kaiserlichen bis nach Zerbst verfolgt und niedergemetzelt. Die Verluste auf protestantischer Seite werden zwischen 3.000 und 7.000 Toten geschätzt. Die Protestanten hatten bei Roßlau eine vernichtende Niederlage erlitten.
Die Stadt Roßlau selbst wurde durch die Kampfhandlungen arg in Mitleidenschaft gezogen. Bereits am 11. April 1626 war die Stadt in Brand gesetzt worden. Von ursprünglich 85 Häusern waren nur 14 übriggeblieben. Nach der Schlacht blieben etwa 1.000 Mann als Besatzung an der Schanze zurück, welche in den kommenden Jahren durch die Bevölkerung versorgt werden mussten. Auch zum weiteren Ausbau der Schanze wurden die Bewohner der Region verpflichtet.
Nach dem Fall Magdeburgs im Jahr 1631 ließen die Kaiserlichen die Roßlauer Schanze nebst der Elbbrücke niederbrennen. Die letzten Reste der Schanze wurden erst beim Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert beseitigt.
Tobias Zander

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Lesen Sie dazu unsere Datenschutzinformationen