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Nicht nur an der Wittenberger Stadtkirche, auch an der Zerbster Nikolaikirche ist eine  Schmähplastik  als
Nicht nur an der Wittenberger Stadtkirche, auch an der Zerbster Nikolaikirche ist eine Schmähplastik als "Judensau" angebracht. Sie sollte Juden verhöhnen und verunglimpfen. Das Gegendenkmal des Künstlers Hans-Joachim Prager ist dem Lesepult einer Synagoge nachempfunden.

Nicht nur an der Wittenberger Stadtkirche, auch an der Zerbster Nikolaikirche ist eine Schmähplastik als "Judensau" angebracht. Sie sollte Juden verhöhnen und verunglimpfen. Das Gegendenkmal des Künstlers Hans-Joachim Prager ist dem Lesepult einer Synagoge nachempfunden.

Darstellung des „Juden Abraham“ in einem Verzeichnis des Zerbster Kollegiatstifts St. Bartholomäi aus dem 15. Jahrhundert.    Foto von einer Ausstellungstafel im Museum der Stadt Zerbst.
Darstellung des „Juden Abraham“ in einem Verzeichnis des Zerbster Kollegiatstifts St. Bartholomäi aus dem 15. Jahrhundert. Foto von einer Ausstellungstafel im Museum der Stadt Zerbst.

Darstellung des „Juden Abraham“ in einem Verzeichnis des Zerbster Kollegiatstifts St. Bartholomäi aus dem 15. Jahrhundert. Foto von einer Ausstellungstafel im Museum der Stadt Zerbst.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste einen selbstgemachten Imbiss nach jüdischer Tradition probieren.
Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste einen selbstgemachten Imbiss nach jüdischer Tradition probieren.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste einen selbstgemachten Imbiss nach jüdischer Tradition probieren.

Vom Mittelalter bis zur Deportation der letzten jüdischen Bürger im Jahr 1942 reicht die lange und wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zerbst. Diese Geschichte und Kultur brachte uns Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach im Rahmen der Exkursion „Jüdisches Leben in Zerbst“ am 17. Oktober 2026 näher.
Zunächst ging es zu Fuß durch Teile des ehemaligen jüdischen Wohnquartiers. Anschließend verweilte die Gruppe u.a. am ehemaligen Standort der Synagoge und des Kantorhauses Ecke Brüderstraße/Wolfsbrücke. Nach der Plünderung im Jahr 1938 wurde das Gebäude durch das Rote Kreuz genutzt und umgebaut, sodass es nicht mehr als Gotteshaus zu erkennen war. Aufgrund der Zerstörung beim Bombenangriff am 16. April 1945 wurden die Reste der Synagoge nach dem Krieg abgerissen.
Beim Rundgang ging Frau Griesbach auch auf die Schicksale verschiedener jüdischer Familien ein. Anhand von Stolpersteinen wird heute dieser Familien gedacht. Etwa 50 Stolpersteine konnten bisher verlegt werden. Den Abschluss des Rundgangs bildete das 2023 eingeweihte „Gegendenkmal“ zur Schmähskulptur der „Judensau“. Nicht nur an der Wittenberger Stadtkirche, auch an der Zerbster Nikolaikirche ist eine solche Schmähplastik angebracht, welche Juden verhöhnen und verunglimpfen sollte. Das Gegendenkmal des Künstlers Hans-Joachim Prager ist dem Lesepult einer Synagoge nachempfunden. Auf der Vorderseite sind die Namen von jüdischen Zerbster Familien angebracht, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Auf den Seiten sind beispielhaft übliche deutsche und jüdische Vornamen angebracht.
Im Museum der Stadt Zerbst gab uns Agnes-Almuth Griesbach anhand von Exponaten Einblicke in die jüdische Kultur.

Außerdem ging sie auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zerbst ein. Bereits 1324 werden Juden erstmals im Zerbster Schöffenbuch nachgewiesen. Sie lebten damals in einem eigenen Wohnquartier, das direkt an den Markt anschloss. Dieses mittelalterliche Quartier ist bis heute an den Straßennamen Jüdenstraße, Kupfergasse und Silberstraße ablesbar. Wobei die Kupfergasse ihren Namen nicht vom Metall sondern vom hebräischen Wort „Keber“ (= Begräbnisstätte) herrührt, da sich in dieser Straße ursprünglich der jüdische Begräbnisplatz befand. Interessant ist die Darstellung des „Juden Abraham“ in einem Verzeichnis des Zerbster Kollegiatstifts St. Bartholomäi aus dem 15. Jahrhundert, die diesen mit dem typischen spitzen Hut darstellt, den Juden zur damaligen Zeit zur Erkennung tragen mussten. Durch Progrome wurden die Juden spätestens zum Ende des 15. Jahrhunderts aus der Stadt vertrieben, da sie fälschlicherweise für den Ausbruch von Epidemien verantwortlich gemacht bzw. bezichtigt wurden. Erst im 18. Jahrhundert ist wieder eine jüdische Gemeinde in Zerbst nachweisbar, der über die Jahrzehnte im Schnitt 70 bis 80 Personen angehörten. 1794 wurde daher für die wachsende Gemeinde in der Brüderstraße / Ecke Wolfsbrücke eine Synagoge errichtet – ein Vorgängerbau des bereits erwähnten Gebäudes, das 1945 zerstört wurde. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ein selbstgemachter Imbiss mit traditionellen jüdischen Gerichten gereicht.

Text und Fotos: Tobias Zander

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