Vom Mittelalter bis zur Deportation der letzten jüdischen Bürger im Jahr 1942 reicht die lange und wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinde in Zerbst. Diese Geschichte und Kultur brachte uns Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach im Rahmen der Exkursion „Jüdisches Leben in Zerbst“ am 17. Oktober 2026 näher.
Zunächst ging es zu Fuß durch Teile des ehemaligen jüdischen Wohnquartiers. Anschließend verweilte die Gruppe u.a. am ehemaligen Standort der Synagoge und des Kantorhauses Ecke Brüderstraße/Wolfsbrücke. Nach der Plünderung im Jahr 1938 wurde das Gebäude durch das Rote Kreuz genutzt und umgebaut, sodass es nicht mehr als Gotteshaus zu erkennen war. Aufgrund der Zerstörung beim Bombenangriff am 16. April 1945 wurden die Reste der Synagoge nach dem Krieg abgerissen.
Beim Rundgang ging Frau Griesbach auch auf die Schicksale verschiedener jüdischer Familien ein. Anhand von Stolpersteinen wird heute dieser Familien gedacht. Etwa 50 Stolpersteine konnten bisher verlegt werden. Den Abschluss des Rundgangs bildete das 2023 eingeweihte „Gegendenkmal“ zur Schmähskulptur der „Judensau“. Nicht nur an der Wittenberger Stadtkirche, auch an der Zerbster Nikolaikirche ist eine solche Schmähplastik angebracht, welche Juden verhöhnen und verunglimpfen sollte. Das Gegendenkmal des Künstlers Hans-Joachim Prager ist dem Lesepult einer Synagoge nachempfunden. Auf der Vorderseite sind die Namen von jüdischen Zerbster Familien angebracht, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Auf den Seiten sind beispielhaft übliche deutsche und jüdische Vornamen angebracht.
Im Museum der Stadt Zerbst gab uns Agnes-Almuth Griesbach anhand von Exponaten Einblicke in die jüdische Kultur.
Text und Fotos: Tobias Zander

